In Urig schreiben

ACHTUNG: Zur korrekten Darstellung dieser Seite muss der Font Urig.ttf auf deinem Rechner installiert sein. Die Beispiele kommen aus meinem Dialekt, der eine Mischung aus Luzernisch und Zürcherisch, sowie ein paar Basler Einsprengseln ist. Also klassischer Mittelland-Standarddialekt.

Grundsätze

Das Urigbet

Das Urigbet beginnt mit dem wichtigsten aller Konsonanten, dem SCH wie Schweiz. Darauf folgen die restlichen Konsonanten, sortiert nach Ähnlichkeit. Am Ende kommen die Vokale. Steht ein Buchstabe am Anfang oder Ende eines Wortes, können unnötige Verbindungsstriche weggelassen werden. Die Tabelle zeigt die Schreibweise an Wortanfang, -mitte und -ende.

Laut Urig Laut Urig
SCH eejee      E eeeee
S eesee E deutsch eeEee
N eenee E schweiz eeÄee
NG eevee I eeiee
G eege A eeaee
K eeke Ä eeäee
CH eecee O eeoe
H eehee O schweiz eeOe
D eedee Ö eeöe
T eetee Ö schweiz eeÖe
B eebee U eeuee
P eepee Ü eeüee
M eemee
W eewee
R eeree
L eelee
F eefee

Die Zahlen

Eigentlich gibt es an den arabischen Zahlen (oder um genau zu sein, den indischen) nichts zu mäkeln. Darum konnten sie die lateinischen auch verdrängen. Doch wenn ich schon dabei bin, dachte ich, kann ich auch gleich eigene Zahlzeichen erfinden. Sie sind sehr eckig und unterscheiden sich dadurch klar von den rundlichen Urigbuchstaben. Durch das System des umlaufenden Horizontalstrichs sind sie sofort gelernt.

1 1        6 6
2 2 7 7
3 3 8 8
4 4 9 9
5 5 0 0

Die Satzzeichen

Da sich die Grundlinie bei den Urigbuchstaben in der Mitte befindet, wirken die traditionellen Satzzeichen unbalanciert. Die Idee des Urig Fragezeichens ist, dass es nach rechts offen ist, weil es eine Antwort erwartet. Das Ausrufzeichen schliesst nach rechts ab. Es wünscht keine Erwiderung.

. .
, ,
? ?
! !
: :

Konsonanten

Konsonanten werden in Urig nicht verdoppelt. Auch wird nicht zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten unterschieden. Falls Sie jetzt nicht wissen, was stimmhafte Konsonanten sind, machen Sie sich keine Sorgen. Es spielt ja eben keine Rolle.

SCH und S

Für ein Urig-SCH j schreibt man von links kommend eine Schleife nach oben und dann über Kreuz eine Schleife im Uhrzeigersinn nach unten. Das j wird immer geschrieben, wenn ein SCH gesprochen wird. Auch bei ausländischen Wörtern. Beispiele:

Og j troo jiil
schogi ascht schtroom tschiile
Schokolade Ast Strom Chile

Das Urig-S s ist eine einfache Schlaufe nach unten. Optisch sieht ein Urig-S wie ein halbes SCH aus. Beim S wird nicht zwischen scharfen und schwachen S-en unterschieden. Ein S schreibt man nur da, wo man auch ein S sagt. Das bedeuted, dass ein ST als jt (SCHT), und ein SP als jp (SCHP) geschrieben wird.

E ase aa
see waser daas
See Wasser das

N UND NG

Ein Urig-N n wird als Schlaufe nach oben geschrieben. Für ein Urig-NG v schreibt man zuerst ein i, dass danach von einem Kreis eingerahmt wird. Viele Deutschsprechende sind sich nicht bewusst, dass v (NG) ein eigener Laut ist, der sich klar vom n (N) unterscheidet. Wer es nicht glaubt soll einmal laut die folgenden Wörter aussprechen:

Sinn, sinnen, singen, sinngemäss

Beim NG in singen drückt die Zunge hinten gegen den Rachen. Um ein N auszusprechen drückt die Zunge aber vorne bei den Zähnen an den Oberkiefer. Das Wort sinngemäss wird ebenfalls mit einem klaren N gefolgt von einem richtigen G ausgesprochen. Unsere Beziehung zum v (NG) wird noch dadurch erschwert, dass wir es nicht an einem Wortanfang aussprechen können. In anderen Schriften, beispielsweise im Thai, wird dem NG ein eigener Buchstabe gewidmet. Thais haben auch keine Mühe mit Wörtern, die mit NG beginnen.

E Ev Engmää  
sen senge sengmääs än äng
Sinn singen singemäss ein eng

G und K

Ein Urig-G g ist ein vertikaler Strich, der an seinen Enden weiterverbunden wird. Das Urig-K k ist ein auf den Kopf gestelltes G.

Ege lOg ake orf Ok
teger gloge hake korfe moke
Tiger Glocke hacken Kurfe Stück

CH und H

Das CH c ist wohl der typischste schweizer Laut. Urchig chrazend tief im Hals. Das H h sieht fast gleich aus, hat aber eine Schleife die seinen sanften Charakter betont. Es kann auch verwendet werden, um aspirierte Plosive zu kennzeichnen, sofern dies für das Verständniss notwendig ist. Aspirierte Plosive sind behauchte Explosivlaute (B, P, D, T). Also wenn man beispielsweise versucht, ein P und ein H gleichzeitig auszusprechen.

Elb uu halt eori
chelbi huus phalte teorii
Kirmes Haus behalten Theory

D, T, B und P

Die Plosivlaute werden all durch das gleiche Zeichen dargestellt. Dabei ist das T gegenüber dem D, und das P gegenüber dem B um 180 Grad gedreht.
D d      T t
B b      P p
Es wird jedoch nicht in allen Dialekten zwischen schwachen und starken Plosiven unterschieden. Beispielsweise sagen die Basler Dag anstelle von Tag.

aa ii ap
taat diis bapi
Tat dein Vater

M, W und R

Das M m sieht fast wie das lateinische M ohne Mittelstrich aus. Das W w gleicht ebenfalls einem lateinischen W ohne Mittelerhebung. Das R r wird gleich geschrieben wie das kleine S der lateinischen "Schnüerlischrift".

am Ol oo
mami wolf roor
Mutter Wolf Rohr

L und F

Das L l gleicht einem lateinische L mit Korb. Und das F f hat Ähnlichkeit mit einer feurigen Flammenzunge.

a Ef
fal left
Fall Lift

Z und X

Ein X gibt es nicht in deutschen Sprachen. Es ist nur eine komplizierte Art um ein gesprochenes GS zu Papier zu bringen. Deshalb gibt es in Urig kein X und man schreibt gs (GS). Das gleiche gilt fürs Z. Es wird als ts (TS) geschrieben.

gs sundhäisoo OOt?
agst gsundhäit tsoog goots?
Axt Gesundheit Zug Geht es?

Q

Q kommt in der deutschen Sprache nur in Kombination mit U vor und wird KU ausgesprochen. Deshalb gibt es in Urig kein Q und man schreibt so wie mans sagt ein k (K)

uaa
kuaal
Qual

V und C

Das C hat keinen eigenen Laut. Es kommt nur als Hilfsbuchstabe in SCH, CH, CK vorkommt. Oder in Fremdwörtern wird es beispielsweise als G ausgesprochen. Deshalb gibt es in Urig kein C.
Das V bezeichnet den gleichen Laut, wie das F (f). Nur manchmal wird es zur Verwirrung als W (w) ausgesprochen. Deshalb gibt es in Urig kein V.

läudi Oge aas
gläudia fogel waase
Claudia Vogel Vase

Vokale

E, I, A, Ä

Das Urig-E ist einfach ein Strich e. Das ist am Anfang etwas ungewohnt, aber sehr praktisch, da das E ein sehr häufiger Buchstabe ist. Am Anfang schreibt man den E-Strich meist etwas breiter, damit man ihn in der Handschrift besser erkennt. Aber mit der Zeit genügt auch ein kleinerer E-Strich. Ein Urig-I ist ein kleiner Haken nach oben i. Ein Urig-A ein kleiner Haken nach unten a. Beim Urig-Ä wird das A mit einem Punkt ergänzt ä.

ge igel l c
ege gigele ali ächt
Ecke lachen alle echt

O und Ö

Das Urig O wird gleich wie ein lateinisches C geschrieben o. Das Ö ö ist sein Spiegelbild.

r or o oo ö öö
ort wort oor root ööl lööl
Ort Wort Ohr rot Öl Idiot

U und Ü

Das Urig-U u sieht gleich aus, wie das griechische Phi. Das Urig-Ü ü wird spiegelbildlich nach unten geschrieben.

u se
uur üses
Uhr unser

J und Y

J bezeichnet im Gegensatz zum I keinen Vokal sondern einen Halbvokal. Das J ist eine Art vibrierendes I. Beispielsweise Ida - Jäger
Lange wurde zwischen den beiden im Deutschen nicht unterschieden. Erst spät begann man die Unterscheidung der lateinischen Sprachen zu immitieren. Trotzdem konnte der Unterschied sich im Sprachgefühl bis heute nicht festsetzen. Viele Deutschschreibende sind sich des Unterschiedes nicht wirklich bewusst und lernen die Schreibweisen einfach auswendig. Deshalb wurde das J im Urigbet wieder abgeschaft.
Das Y kommt fast nur in Fremdwörtern und Eigennamen vor. Es wird meist als I oder Ü ausgesprochen. Und wie es ausgesprochen wird, so wird es in Urig auch geschrieben.

OO Odl sii ü
ioo iodle asiil tüp
Ja jodeln Asyl Typ

Lange und kurze Vokale

Viele Wörter der deutschen Sprache unterscheiden sich durch die Länge der Vokale. Im Hochdeutschen gibt es deshalb viele verwirrende Schreibweisen, um die Länge eines Vokals zu beschreiben. In Urig wird konsequent ein kurzer Vokal mit einem Vokalzeichen und ein langer Vokal mit zwei Vokalzeichen geschrieben. Kann ein Vokal kurz oder lang ausgesprochen werden, oder ist man sich nicht sicher ob der Vokal kurz oder lang ist, dann schreibt man ein Vokalzeichen.

a a  erwiren u är r
ban das is verwirend rum märt ort
Bann dass iss verwirrend Rum Markt Ort
aa aa i i uu ää o
baan daas iis wii ruum määl oor
Bahn das Eis Wein Ruhm Mehl Ohr

Doppellaute

Bei den Doppellauten oder Diphtongen muss man darauf achten, dass man nicht wie im Schriftdeutschen schreibt, sondern die Vokale benutzt, die dem Klang am nächsten kommen. In Ausnahmefällen kann zur Unterscheidung zwischen langen und kurzen Doppellauten der Hauptlaut verdoppelt werden.

 äi ut Öi taa ta
äi mäis äuto höi schtaau schtau
Ei Mais Auto Heu Stahl (Berndeutsch) Stall (Berndeutsch)

Neue Vokale

Die Vokalsysteme der hochalamannischen Dialekte gehören zu den komplexeren dieser Erde. Je nach Dialekt und Zählweise verwenden sie 20 oder mehr unterschiedliche Vokale. Um diese einfach und trotzdem gut verständlich schreiben zu können braucht es einen Kompromis zwischen Präzision und Anzahl der Vokalzeichen. In Urig ist deshalb das aus dem Hochdeutschen bekannte Vokalsystem um 4 Vokale erweitert. Die neuen Vokale werden durch Kombinieren eines Punktes mit einem bestehenden Vokal gebildet. Wem aber 12 Vokale zu kompliziert sind, der soll wie gewohnt mit den altbekannten Vokalen schreiben und die differenzierenden Punkte einfach weglassen. Es genügt, wenn er beim Lesen weiss, welcher Laut mit den neuen Vokalen gemeint ist, falls er Texte von jemandem liest, der es genauer nahm. Dieses genauer nehmen ist nicht immer einfach. Es braucht Zeit und Übung. Wer sich jedoch die Mühe macht, wird entdecken, dass unsere Sprache viel reicher, differenzierter und schöner ist, als uns die lateinische Schrift weismachen will.

Vokale werden oft in geschlossene und offene Varianten unterteilt. Damit ist nicht die Lippenöffnung sondern die Kieferstellung gemeint. Sprechen sie beispielsweise ein normales deutsches O. Es tönt hell und wird als geschlossenes O bezeichnet. Nun senken sie ihren Kiefer nach unten, ohne die Lippen zu verändern. Das O wird dunkler und signifikant anderst. Durch das Öffnen des Kiefers wird die Mundhöle grösser und der Klang dunkler.

Beispiele: ohne, Ordnung, Ofen, offen

Helles E

Das helle E E ist der Laut, den wir aussprechen wenn wir ein E buchstabieren. Es ist ein helles, geschlossenes E.

E nE E EE
see schnee mee weer
See Schnee mehr Wehr

Dunkles E

Das dunkle E Ä ist der Laut der entsteht wenn man ein helles E ausspricht und dabei die Zunge absenkt, ohne die Lippenstellung zu verändern. Es tönt ähnlich wie ein Ä und entspricht einem dunklen, offenen E.

rfaar lte rge ve äl
ärfaare älter ärger ängel wält
erfahren älter Ärger Engel Welt

Kleines E

Das kleine E e wird von den Fachleuten als Schwa bezeichnet. Es befindet sich akustisch in der Mitte zwischen den anderen Vokalen. Wenn man sich nicht sicher ist, ob man ein E oder Ä ausspricht, dann ist es meistens ein kleines E oder Schwa. Deshalb soll man immer, wenn man sich nicht sicher ist um welchen Vokal es sich handelt, ein e schreiben.

og ääge
e moge rääge
ein Mücke Regen

Helles O

In Urig Texten mit Punktvokalen bezeichnet das normale O o nur noch die hellen, geschlossenen O's. Es entspricht dem Laut, den man beim Buchstabieren eines O ausspricht.

Dunkles O

Das Zeichen für das dunkle O O gleicht dem normalen O o, bekommt aber noch einen Punkt eingesetzt. Es ist ein dunkles, offenes O.

Os Ot OO oor
lose loto hoor moorn
hören Lotto Haare Morgen

Helles Ö

In Urig Texten mit Punktvokalen bezeichnet das normale Ö ö nur noch die hellen, geschlossenen Ö's. Es entspricht dem Laut, den man beim Buchstabieren eines Ö ausspricht.

Dunkles Ö

Das Zeichen für das dunkle Ö Ö gleicht dem normalen Ö ö, bekommt aber noch einen Punkt eingesetzt. Es ist ein dunkles, offenes Ö.

Öpfl ööl ÖÖme! ö
chöpfli hööli chöömed! ööl
Köpfchen Höhle kommt! Öl